Gatersleben: Kulturpflanzenvielfalt in Gefahr
Gestern, am 21.5. protestierten rund 400 Menschen gegen die Freisetzung von gentechnisch verändertem Weizen und Erbsen auf den Flächen der Genbank in Gatersleben. Ein breites Bündnis von Organisationen und Kampagnen sprach sich gegen die Gentechnik und für den Schutz der Genbank in Gatersleben aus.
In der Genbank in Gatersleben lagern rund 150.000 verschiedene Kulturpflanzen-Sorten aus der ganzen Welt. Gatersleben ist daher eine bedeutenswerte Schatztruhe für die globale Kulturpflanzenvielfalt. Diese gilt es zu bewahren, um auch in Zukunft daraus schöpfen zu können, um z.B. Klimaveränderungen durch neue Züchtungen zu begegnen, auch gerade weil die Genbanken in anderen Ländern entweder zerstört (z.B. im Irak) oder unterfinanziert und aufgelöst werden. Von jeder Sorte werden in den Kühlhäusern jeweils nur wenige Gramm aufbewahrt und ca. alle 20 Jahre auf den Flächen der Genbank zur Erhaltung wieder ausgesät.
Seit einigen Jahren hat sich im nun Dunstkreis des Instituts Für Nutzpflanzenkunde (IPK) in Gatersleben eine breite Palette von Gentech- und Biotechnologie Firmen angesiedelt, gefördert und gewollt u.a. durch das Land Sachsen-Anhalt und die Katholische Kirche.
In unmittelbarer Nähe der Gewächshäuser der Genbank in denen die Erhaltungszüchtung stattfindet, unternehmen diese Firmen nun Freisetzungen von gen-technischem Weizen und einer gen-technisch veränderten Erbse, der sogenannten Pharma-Erbse, einer Futtererbse für Schweine, die gleich ein präventives Antibiotikum mitliefert.
KritikerInnen befürchten nun, dass sich der Pollen des GVO-Weizens mit denen der Erhaltungssorten der Genbank vermischt, wodurch eben jene Pflanzenvielfalt in Gefahr gerät, weil die Gewächshäuser der Genbank nicht pollensicher sind.
Zudem steht die Kritik im Raum, dass sich die Biotech-Firmen schleichend die geistigen Eigentumsrechte an der genetischen Reserven in der Genbank aneignen wollen, um somit die globale Landwirtschaft zu dominieren und in eine Abhängigkeit zu treiben.
Der Freisetzung von GVOs in Gatersleben wurde zudem eine Priorität eingeräumt und die Genbank wurde angewisen, ihre Erhaltungszüchtung von auskreuzungsgefährdeten Sorten hintenan zu stellen.
Am vergangenen Montag versammelte sich nun rund 400 Menschen, um ein deutliches Zeichen gegen die Gentechnik zu setzen und sich für den Erhalt der Genbank auszusprechen. Mitveranstaltet wurde die Demonstration von ca. 50 Organisationen und Kampagnen, u.a. die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, das Aktionsnetzwerk Globale Landwirtschaft, der BUND und viele, viele andere , die sich mit den Risiken der grünen Gentechnik auseinander setzen. Auf einem etwa einstündigen Protestzug wurde den TeilnehmerInnen eine kleine Sightseeingtour durch die Biotech-Branche gegeben, untermalt mit anschaulichen Details über deren Interna und Praktiken.
Am Wochenende zuvor hatte in Halle eine internationale Saatguttagung in Halle stattgefunden, sodass auf der Abschlusskundgebung auch Menschen aus Frankreich, Chile, Tunesien, Mali, der Schweiz und Österreich zu wort kamen und die große Bedeutung der Erhaltung der genetischen Vielfalt für ihre Länder ausdrückten und über den Erfolg gegen die Verbreitung der Gentechnik berichteten: die Schweiz und Österreich sind Länder in denen der Anbau gentechnisch veränderter Kulturen verboten ist.
Im Vorfeld der Veranstaltung in Gatersleben hatte man sich bewusst nur für die Demo als Aktionsform ausgesprochen, so dass es keine andere Form des Protests an diesem Tag in Gatersleben gab.
Dennoch wird der vielfältige Protest gegen die Gentechnik und den neoliberalen Praktiken von Monsanto, BASF und Co. weitergehen. So zum Beispiel am 3.Juni in Rostock zum landwirtschaftlichen Aktionstag im Rahmen der G8-Proteste, zu dessen Teilnahme Ihr alle herzlich aufgefordert seid.
Weitere Infos, u.a.:
www.g8-landwirtschaft.net
www.biopiraterie.d
www.abl-ev.de
www.bantam-mais.de
Kommt zum Aktionstag nach Rostock!