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<  Aktivismus-Berichte°  ~  Groß Luesewitz: Spektakulaer gescheiterte Genfeld-Besetzung

primat
Posted: 2007-04-13 10:33 Reply with quote
Joined: 07 Jul 2006
Quote:
Spektakulaer gescheiterte Genfeld-Besetzung in Groß Luesewitz

Medien-Information, Donnerstag, 12. April 2007

Mit Tuermen und Bauwaegen gegen Pharma-Kartoffeln - unter diesem Motto
hatten
ca. 30 Gentechnik-GegnerInnen aus allen Teilen der Republik am
Donnerstagmorgen
versucht, ein kurz vor der Aussaat befindliches Feld des AgroBioTechnikums
und
der dort ansaessigen Gentechnikfirmen zu besetzen. Damit sollte ein
deutliches
Zeichen gegen die riskante Technik gesetzt werden, außerdem hofften die
BesetzerInnen auf einen Schneeballeffekt. "Es gibt viele Gentechnikfelder -
schwungvoller und bissiger Protest ist noetig", benannte einer der
Feldbesetzer
sein Motiv fuer die Aktion.

Die Aktion war seit Monaten vorbereitet. Um eine schnelle Raeumung zu
verhindern, sollte auf dem Feld am Weg noerdlich der B110 bei Groß Luesewitz
ein ueber 15m hoher Turm errichtet werden. Mehrere Personen wollten sich in
schwindelerregender Hoehe anseilen und anketten. Der Abbau solcher Tuerme
ist
mit großen Schwierigkeiten verbunden. Weitere Befestigungen und Huetten
sollten
auf dem Feld errichtet werden. Doch das Ganze war nicht als Festung gedacht:
"Im
Mittelpunkt stand fuer uns das Signal fuer buntes Leben statt
profittraechtiger
Gentechnik. Wir wollen schon am Tag nach dem Start in den umgebenden Orten
von
Haustuer zu Haustuer gehen, auf Flugblaettern und mit Infoveranstaltungen
informieren", schilderte eine Beteiligte die Ziele. Der Plan scheiterte. Die
gestrige Nacht entwickelte sich zu einer spektakulaeren Auseinandersetzung
zwischen Polizei und Aktionsgruppen. Drei Stunden hatten die AktivistInnen
den
ausgewaehlten Acker bearbeitet, Staemme herbeigeschafft, Loecher gegraben,
Drahtseile verlegt. "15 Minuten haben gefehlt, dann haette der Turm
gestanden
und auch eine Hundertschaft der Polizei waere ohne Spezialtechnik machtlos
gewesen", so die BesetzerInnen. Eher durch Zufall trafen Streifenwagen auf
bereitstehende LKWs. Darin fanden sie verdaechtiges Material und begannen
ihre
Suche auf den Feldern der Umgebung. "Unglaublich: Bei der ersten Kontrolle
auf
dem Acker merkten die nichts, obwohl dort zwanzig Personen und das gesamte
Material fuer den Turm schon lag", berichtet eine Beteiligte ueber den
Verlauf
der Nacht, bei dem auch ein Fernsehteam anwesend war und alles filmte.

Kurz vor der geplanten Aufrichtung des Turmes entdecken Polizeistreifen ein
paar
Beteiligte und nahmen einige Personen fest. Danach jagten sie zum Teil mit
mehreren Fahrzeugen ueber die Aecker der Gemarkung auf der Jagd nach
AktivistInnen. Der Materialeinsatz der Staatsorgane fuer die lukrative
Gentechnik war enorm: Die Polizei sprach von 35 Fahrzeugen, die an dem
naechtlichen Einsatz beteiligt waren. Die Besetzungsaktion wurde dadurch
knapp
verhindert. Die dahinterstehende Idee aber wollen die BesetzerInnen nicht
aufgeben. "Um die ruecksichtslose Ausdehnung solcher Risikotechnologien zu
verhindern, ist entschlossener Widerstand noetig. Wir wuerden uns freuen,
wenn
unser Versuch nicht der letzte gewesen ist, die dubiosen Versuchen in Groß
Luesewitz zu stoppen und den voellig undurchsichtigen Firmen oder gar als
gemeinnuetzig anerkannten Vereinen das Handwerk zu legen.

Der fuer die Besetzung ausgewaehlte Acker gehoert zu den Aktivitaeten aus
dem
AgroBioTechnikum, einem Zusammenschluss von gentechnik-freundlichen Firmen
und
Instituten. Hier sollten ab Anfang naechster Woche fuer die Pharmaindustrie
designte Kartoffelpflanzen ausgebracht werden. Bereits im letzten Sommer
konnte
der von 2006 bis 2008 von der Universitaet Rostock beantragte Versuch nur
durch
das gewalttaetige Auftreten massiver Polizeieinheiten gegen den Willen
vieler
Menschen durchgesetzt werden, als im Sommer Hunderte Menschen an einem
Gentechnik-Aktionstag nach Groß Luesewitz kamen. "Im zweiten Versuchsjahr
sind
wir vor den Gentechnik-LobbyistInnen da", sagt Falk Beyer, eineR der
AktivistInnen, die lieber für sich selbst reden möchten, statt sich durch
SprecherInnen vertreten zu lassen. "Mit unserem Protest wollen wir die
Ausbringung genmanipulierter Organismen in die Umwelt, die unumkehrbare
Folgen
haben kann, verhindern. Wir laden alle Menschen - aus der Region und auch
darueber hinaus von ueberall - ein, sich nicht weiter von der
verschleiernden
Rhetorik aus dem AgroBioTechnikum verblenden zu lassen und sich am
Widerstand
gegen die Gentech-Mafia zu beteiligen." Jede Freisetzung genetisch
veraenderter
Organismen birgt das Risiko unkontrollierbarer und kaum vorhersagbarer
Folgen in
sich. Sobald solche Organismen in Austausch mit anderen Lebewesen treten,
kann
es zu Auskreuzungen und artuebergreifenden Gentransfers kommen. Die
ForscherInnen kennen haeufig nur eine oder wenige Wirkungen ihrer
genetischen
Neukombinationen. Das Zusammenspiel neu eingebauter Gensequenzen mit anderen
Erbgutinformationen ist in keinem der Versuche komplett bekannt. Die
Gentechnik
ist ebenso wie die Atomkraftnutzung eine Risikotechnologie, die im
Verhaeltnis
zum hypothetischen Nutzen untragbare Risiken mit sich bringt. Sie ist
hochgefaehrlich, da kleine Fehler zu katastrophalen Folgen fuehren koennen.
Und
sie steht im Dienst ohnehin schon maechtiger Industrien und
Interessengruppen
und soll deren Macht gegenueber anderen Menschen und Organisationen weiter
ausbauen.
Die AktivistInnen, die jetzt das Feld besetzen wollten, gehoeren nicht einem
bestimmten Verband an und wollen auch nicht fuer Logos werben. Sie kommen
aus
verschiedenen politischen Zusammenhaengen, einige von ihnen sind auch in
bekannten Umweltorganisationen aktiv. Sie verfolgen auf dem Acker von Groß
Luesewitz einige gemeinsame Ziele und laden die Menschen vor Ort ein,
gleichberechtigt am Widerstand gegen Gentechnik und die Beherrschung der
betroffenen Menschen durch Profit und Macht mitzuwirken. Von der Rhetorik
der
Gentechnik-Profis lassen sie sich nicht einschuechtern, vielmehr wollen sie
falsche Versprechungen demaskieren, Kritik offensiv vortragen und eigene
Positionen formulieren: "Wir lassen uns von den Reden der Versuchsleiterin
Inge
Broer nicht taeuschen. Wir werden uns entschieden den herrschaftlichen
Gentechnologie-Interessen in den Weg stellen", sagt Philipp vom Kesselberg.
Die
Aktionsgruppen sind telefonisch unter 0173-1791262 erreichbar. Weitere
Informationen gibt es auf der Internetseite http://www.gentech-weg.de.vu.

An die VertreterInnen der Medien:

Sie erreichen die AktivistInnen der gescheiterten Gen-Acker-Besetzung
telefonisch auf dem Presse-Handy 0163-9233618. Viele verschiedene Menschen
sind
hier gerne bereit, Auskunft ueber die Hintergruende und Motivationen dieser
Aktion zu geben bzw. ueber den Kartoffel-Versuch zu informieren. Nach "den
Verantwortlichen" oder "LeiterInnen" zu suchen, waere dagegen vergebliche
Muehe. Die hier gegen Gentechnik engagierten Menschen organisieren sich
eigenverantwortlich und selbstaendig, sie brauchen keine FuehrerInnen.

AbsenderInnen: Einige der Genfeld-BesetzerInnen...

quelle: mund-mailinglist

_________________
If it is radical to have respect for all life,
if it is radical to try to live life without causing pain and suffering to other living beings,
if it is radical to try to live harmlessly and in peace with all creatures,
then I am, most definitely and without doubt, a "radical".
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primat
Posted: 2007-04-18 12:48 Reply with quote
Joined: 07 Jul 2006
Quote:
Date: Tue, 17 Apr 2007 14:33:43 +0200
From: Gipfelsoli Infogruppe Presseverteiler

2. Genfeldbesetzung gescheitert: Polizeizone!

*Presseinformation*

Für Rückfragen: 0163-9233618
kontakt@gentech-weg.de.vu

*Redaktionen Politik, Lokales MV, Wirtschaft, Ökologie*

Agro-Gentechnik-Protest in Groß Lüsewitz: Die zweite Feldbesetzung
innerhalb von fünf Tagen ist gestern nacht gescheitert. Der Grund war eine
massive Polizeiüberwachung der BesetzerInnen, die sich auch mit Tricks
nicht ganz überwinden ließ. Nur ein Teil der Aktivistis kam am Ziel an.
Danach errichtete die Polizei eine Straßensperre auf der Bundesstraße 110
im Ort Brodersdorf. Diese Polizeikontrollstelle hält auch am Tag danach an,
da nun die Aussaat auf den Genversuchsfeldern begonnen hat. Diese läuft vor
Ort nahe der B 110 unter massivem Polizeischutz.

Das sollte eine Überraschung in Groß Lüsewitz werden: Fünf Tage nach der
spektakulär gescheiterten Besetzung eines Gentechnik-Versuchsfeldes und
passgenau auf den internationalen Aktionstag zu Landwirtschaft und
Gentechnik (?Via Campesina? ) haben Gentechnik-GegnerInnen in den
frühen Morgenstunden des 17. April die umkämpften Felder erneut
attackiert. Doch deutlicher als beim ersten Versuch zeigte sich, dass die
Staatsmacht in Form von ziviler und Bereitschaftspolizei sowie die
inzwischen vom Genversuchs-durchführenden AgroBioTechnikum eingesetzten
privaten Sicherheitskräfte mit hohem Aufwand druckvolle Formen von Protest
verhindern wollen. Der Abfahrtsort der AktivistInnen, die ihre Aktionstaktik
stark verändert hatten, wurde scharf überwacht. Auf der B 110 errichte die
Polizei eine Kontrollstelle, um den in Richtung Versuchsfelder fließenden
Verkehr überprüfen zu können. Das dritte Fahrzeug geriet in diese
Kontrolle, so dass nur die ersten Gruppen mit Teilen der Technik für
Turmbau und Lock-ons zum Feld gelangte und dort schließlich die
Vorbereitungsarbeiten abbrechen musste.

Die erneute Besetzung des Gentechnikfeldes sollte, so hofften die
AktivistInnen, die Diskussion um die riskanten Versuche des 20km östlich
der Hansestadt Rostock gelegenen AgroBioTechnikums weiter anfachen. Seit der
gescheiterten ersten Besetzung waren jeden Tag Gentech-KritikerInnen nach
Groß Lüsewitz und in die Umgebung gezogen, um mit vielen Menschen zu reden
und bei kleineren Aktionen bis zur Besetzung des Turms vor dem
AgroBioTechnikum den Konsens des Schweigens in dem Ort zu brechen, in dem
2004 das heikle Gründerzentrums für profitorientierte
Gentechnik-Basteleien an Nutzpflanzen eröffnet wurde: ?Wir wollten Inge
Broer und ihrem ganzen Team im AgroBioTechnikum samt dubioser Firmen und
Vereine im Umfeld eine Gegenstimme entgegensetzen und enthüllen, dass
hinter der Propaganda von Sicherheitsforschung, wirtschaftlicher Entwicklung
und Arbeitsplätzen eher knallharte Profitinteressen ganz weniger Firmen
stehen?.

Einen Erfolg konnten die BesetzerInnen offensichtlich immerhin verbuchen:
Das ausgewählte Feld der ersten Besetzung wurde sichtbar aufgegeben für
die aktuellen Versuche und an anderer Stelle unter massivem Polizeischutz
neu vorbereitet.

?Aber das ist zu wenig?, resümiert eine Teilnehmerin der Aktionen.
?Ich hoffe, dass die folgenden Wochen und der Aktionstag am 3.6. den
Versuchen ein wirkungsvolleres Ende bereiten. Schon wäre, wenn auch vor Ort
der Widerstand wächst. Dann hätte sich vieles gelohnt.?

Aktuelle Lage an den Feldern
Die Kontrollstelle der Polizei an der B 110 besteht weiter, also auch
tagsüber. Auf den Feldern wird unter Polizeischutz ausgesät (Stand: 17.4.,
14 Uhr)

Achtung!
Wer Kontakt zu den AktivistInnen sucht für Berichte, Interviews,
Veranstaltungen u.ä., kann sich noch eine Weile unter der
Presse-Kontaktnummer 0163-9233618 oder über kontakt@gentech-weg.de.vu
melden.

*Mehr Informationen*
· Bericht der ersten Besetzung: Ein ausführlicher Bericht zum ersten
Besetzungsversuch befindet sich im Internet unter
http://de.indymedia.org/2007/04/173117.shtml.
· Ortsbeschreibung: Die Feldbesetzungen fanden in der Nähe von Groß
Lüsewitz statt. Der Ort liegt östlich von Rostock an der B 110. Im Ort
befindet sich in zentraler Lage das AgroBioTechnikum. Die meisten der
Genvesuchsfelder, darunter auch die beiden versuchten Besetzungsflächen,
liegen gegenüber des Ortes nördlich der B 110. Dort zweigt eine kleine
Straße in Richtung Sagerheide ab. Gleich zu Beginn liegt linker Hand ein
erstes Genversuchsfeld, in dessen Verlängerung bis zur Straße nach Klein
Lüsewitz befindet sich das jetzt verlegte Feld. Wer Richtung Sagerheide
weiterfährt, stößt wenige hundert Meter auf das links liegende Feld des
ersten Besetzungsversuchs. Noch 2 Kilometer in dieser Richtung weiter
beginnt Sagerheide. Der Ort muss geradeaus durchfahren werden, dann liegen
rechter Hand weitere Genversuchsflächen, die in der zweiten Besetzungsnacht
das Ziel waren.

Presse-Kontakttelefon: 0163-9233618
Internetseite: www.gentech-weg.de.vu

*Interview mit einem/r BesetzerIn* [1]

Frage: Was wollt Ihr erreichen?
Wir sind sehr unterschiedliche Menschen, vertreten keine Verbände und
sprechen immer nur für uns. Manche von uns kritisieren die Gentechnik
vorrangig wegen ihrer Auswirkungen auf die Strukturen im
Lebensmittelbereich, andere benennen die Stärkung von
Herrschaftsstrukturen. Die meisten haben viele Gründe ? und sagen das
auch. Unsere konkrete Aktion soll eine Art Erregungskorridor schaffen, in
dem die Debatte um Gefahren intensiv geführt werden kann. Nur mit
Flugblättern oder Infotischen ist das nicht zu machen. Wir hängen da der
Idee von ?Direct Action? an, nach der symbolstarke Aktionen eine
Aufmerksamkeit erzeugen können, die dann genutzt wird für Diskussionen,
Alternativen und Projekte.

Frage: Wie ist Euer Kontakt zu den Menschen, die in der Umgebung wohnen?
Schon in den zurückliegenden Tagen haben wir viele Gespräche geführt und
immer neue, kleine Aktionen gemacht. Der direkte Kontakt war uns wichtig.
Das alles hat viel Spaß gemacht, es waren viele intensive Gespräche dabei
auch mit Menschen, die anders als wir denken über die Gentechnik. Nur ganz
wenige haben gepöbelt, meistens mit ganz flachen Sprüchen, zum Beispiel
dass wir arbeiten gehen sollen. Die Gentechnik hat bislang kaum jemand
verteidigt, nur eine Person hat wortwörtlich gesagt: ?Wes Brot ich ess,
des Lied ich sing? und sogar noch ein ?100%ig? hinzugefügt. Daher sei
es ein Hohn, dass hier viel Geld der SteuerzahlerInnen verprasst werde, die
Gemeinde das Ganze einseitig unterstütze und etwas politisch gefördert
wird, was nur ganz Wenigen etwas nützt, aber viel riskiert.

Frage: Wie habt Ihr es geschafft, nach dem Scheitern eine zweite Besetzung
zu organisieren?
Wir waren nach der gescheiterten Nacht völlig erledigt, aber trotzdem
motiviert, uns nicht so schnell klein kriegen zu lassen. Wir hatten fast ein
Jahr vorbereitet und das meiste hatte auch geklappt. Zunächst haben wir mit
kleineren Aktionen und vielen direkten Gesprächen in den Orten der Umgebung
unsere Idee verfolgt, Gegenwind zur Gentech-Lobby zu machen. Das war zum
Teil sehr motivierend. Es dauerte eigentlich nur kurz, dann kam in der
abendlichen Diskussionsrunde die Idee auf: Wir geben auch die Hauptaktion
nicht auf. Seitdem hatten wir das Gelände neu erkundet, neue Zugangswege
herausgefunden und einen neuen Aktionsplan aufgestellt. Schließlich haben
wir bei der gescheiterten Besetzung all unser Material verloren und mussten
nun auf Schrottplätzen und bei befreundeten Personen suchen, sägen,
schweißen und mehr. Gegenüber der Polizei wollten wir den Eindruck
erwecken, dass wir nun nur noch einige Aktionen am Tag machen. Dieser Plan
ging auf. Wir haben bei unseren öffentlichen Aktionen in Groß Lüsewitz
zwar deutlich unsere Meinung gesagt, aber den Anschein erweckt, ganz harmlos
zu sein und jedes Mal weniger zu werden. Wir hofften, dass die Polizei
langsam ihre Überwachung verringert. Das hat offenbar nicht geklappt. Es
ist beeindruckend, wie viel Geld und Macht der Staat in die Förderung
profitorientierter Wirtschaftsforschung steckt. Das ist nichts Neues, aber
jede offensichtliche Dokumentation kann der Demaskierung dienen.


Frage: Wie ist überhaupt Euer Verhältnis zur Streitmacht des Staates?
Es gibt da keine einheitliche Meinung außer der einen: Die Polizei handelt
im Interesse der Mächtigen. Sie hat in diesem Fall die Gentechniklobby zu
unterstützen. Es gibt etliche Menschen unter uns, die ständig in sehr
intensiven Kontakt mit den eingesetzten BeamtInnen kommen, um sie als
Personen mit eigener Meinung anzusprechen und das konkrete Tun als
BefehlsempfängerInnen mächtigerer Interessen zu hinterfragen. Dabei wurde
deutlich, dass die meisten Uniformierten auch GegnerInnen der Gentechnik
sind, aber hier die Gentechnik mit allen Mitteln durchzusetzen haben.
Wir wollen die Rolle der Polizei bei der Durchsetzung der Interessen weniger
Konzerne und gesellschaftlicher Eliten deutlich benennen, das ist Teil der
Aktion.


Frage: Und andere Gruppen?
Nicht so erfreulich. Erwartungsgemäß gegen die NGOs und bürgerlichen
Gruppen auf Distanz, wenn es etwas widerständiger wird. Schließlich sind
sie sehr auf ihr Image im gehobenen BürgerInnentum bedacht, wo Mitglieder
und Spenden herkommen. Das führt vor allem in Deutschland zu einem
ungeheuer langweiligen Politikstil der Appelle, Unterschriftensammlungen,
Postkarten- und Luftballonaktionen, ebenso zu einer totalen Labelisierung
des Protestes, wo die inhaltlichen Ziele in einem Konkurrenzkampf der Marken
untergehen ? wie zwischen Konzernen. Der Unterschied ist, dass hier
Verbandslogos im Vordergrund stehen. Ganz ähnliches Denken herrscht auch in
radikalen Kreisen vor, was angesichts der Abhängigkeit auch solcher Gruppen
von Staatsknete und der Orientierung auf bildungsbürgerliche Karrieren
wenig verwundert. Schön war, dass wir nach der missglückten ersten
Besetzung in der Ehm-Welk-Schule aufgenommen und so unterstützt wurden. Da
sind Räume entstanden, die sehr offen wirken und sich der einengenden
Kontrolle von BewegungsführerInnen entziehen. Ich hoffe, dass das nicht nur
so bleibt, sondern diese Räume auch endlich von mehr konkreten Aktionen
gefüllt werden. Weniger Bündnis, mehr Widerstand ? davon würde ich
träumen.

[1] Wie alle der BesetzerInnen spricht die Person nur für sich. Der Name
ist ohne Bedeutung.

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